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Nasenpolypen

Allgemeines

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Nasenpolypen sind gutartige Geschwülste der Nasenschleimhaut. Sie entstehen nicht in der Nasenhöhle selbst, sondern wachsen aus den Nasennebenhöhlen in die Nasenhaupthöhle. Sie bestehen aus einem weichen, stark wasserhaltigen "schlabberigen" Gewebe.

Sie behindern die Atmung durch die Nase, so dass diese ihre eigentlichen Aufgaben der Anfeuchtung, Erwärmung und Reinigung der eingeatmeten Luft von kleinen Fremdkörpern nicht mehr richtig erfüllen kann. Die Patienten atmen deshalb bevorzugt durch den Mund, weshalb die Bronchien und die Lungen mehr belastet werden. Einzelne Nasenpolypen können einige Zentimeter gross werden. Dies führt unter Umständen zu einer völligen Verstopfung der Nase. Nasenpolypen können in jedem Lebensalter auftreten. In der Bevölkerung ist ca. 1-12% davon betroffen.

Wissenswertes über den äusseren und inneren Aufbau der Nase

Die Nase besteht aus einem äusseren Teil - dem Nasengerüst - und aus einem inneren Teil - der Nasenhöhle. Diese wird durch die Nasenscheidewand (Nasenseptum) in die rechte und linke Nasenhaupthöhle unterteilt, welche annähernd gleich gross sind. Die Nasenscheidewand besteht zum grössten Teil aus Knochen, im Vorderbereich wird sie aus Knorpel gebildet. Sie hat als wichtige Stütze einen entscheidenden Einfluss auf die Form und Richtung der äusseren Nase.

Die beiden Nasenlöcher verbinden die Nase mit der Aussenwelt. Über die inneren Öffnungen, die so genannten Choanen, stehen die beiden Nasenhöhlen mit dem Nasenrachenraum in Verbindung. Die beiden Choanen sind trichterförmig und jeweils 3cm hoch und 1cm breit. Mit Hilfe eines in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde verwendeten Kehlkopfspiegels können die Choanen betrachtet werden.

Bild: Lage der Nasennebenhöhlen (Nebenhöhlen): Stirnhöhle, Kieferhöhlen, Keilbeinhöhle, Siebbeinhöhle
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Die an die Nasenhöhle angrenzenden Knochen enthalten lufthaltige Hohlräume, die so genannten Nasennebenhöhlen. Sie sind mit der Nasenhöhle durch kleine Kanälchen verbunden und können sich entzünden, wenn diese kleinen Kanälchen verschlossen sind. Eine solche Entzündung nennt man Sinusitis.

Von den beiden seitlichen Nasenwänden ragen hakenförmig drei dünne Knochenplatten in die Nasenhöhle hinein. Diese Knochenplatten sind mit Nasenschleimhaut überzogen und werden Nasenmuscheln genannt. Die Nasenmuscheln sind gut durchblutet und können je nach Blutfüllung an- und abschwellen.

Bild: Schleimhaut der Atemwege mit Flimmerhärchen und Becherzellen
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Nase und Nasennebenhöhlen sind ausgekleidet mit einer besonderen Schleimhaut, die man auch in allen anderen Bereichen der Atemwege vorfindet. Diese Schleimhaut ist hoch spezialisiert und schützt unsere Atemorgane vor schädlichen Stoffen, die über die Atemluft in unseren Körper gelangen können. Diese Aufgabe wird erfüllt durch das Zusammenspiel verschiedener Zellen. Die eine Zellart besitzt winzige Härchen, so genannte Flimmerhärchen, die sich wellenartig in Richtung Rachen bewegen. Daneben gibt es Zellen, die einen dünnen Schleim herstellen (=Becherzellen) und damit die Flimmerhärchen überziehen. So können Fremdkörper wie Staubteilchen und Krankheitserreger auf dieser Schleimschicht zum Rachen transportiert und entweder über einen Hustenstoss ins Freie befördert oder in den Magen verschluckt werden.

Die Ursachen für die Entstehung von Nasenpolypen sind bisher noch nicht erklärt. Man nimmt an, dass häufige Nasennebenhöhlenentzündungen oder eine Besiedlung der Schleimhaut mit Pilzen die Nasenschleimhaut so schädigen und reizen, dass die Bildung von Polypen dadurch begünstigt wird. Patienten mit Allergien wie z.B. Heuschnupfen haben oft auch Nasenpolypen. Man kann sagen, dass ungefähr 10% der Patienten mit Nasenpolypen an einer Allergie leiden und 20-40% an einem Bronchialasthma. Es wurde beobachtet, dass sehr häufig Patienten einen Nasenpolypen haben, die bestimmte Schmerzmittel (z.B. Aspirin) nicht vertragen können. Etwa ein Drittel der Kinder, die an der angeborenen Erkrankung Mukoviszidose leiden, welche zur Bildung eines besonders zähen Schleimes in den Atemwegen führt, haben auch Polypen.
Ansonsten kommen Polypen bei Kindern selten vor. Das, was im Volksmund bei Kindern häufig als Polyp bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit kein richtiger Polyp, sondern Gewebe im Rachen, das mit den Rachenmandeln zu vergleichen ist. Dieses Gewebe ist Bestandteil des Immunsystems.
Meistens treten Nasenpolypen beidseitig auf. Einseitige Polypen sollten genauer untersucht werden. Sie könnten auch bösartig sein, was aber eher selten der Fall ist.

Symptome

Durch das Wachsen der meist beidseits auftretenden Nasenpolypen fällt es den Betroffenen zunehmend schwerer, durch die Nase zu atmen. Sie atmen deshalb verstärkt durch den Mund. Zudem hört sich die Stimme näselnd an, die Nase läuft oft und in vielen Fällen besteht ein eitriger Schnupfen. Die zunehmende Atmung durch den Mund begünstigt Schnarchen und vor allem bei Kindern auch immer wiederkehrende Entzündungen der oberen Atemwege und Nasennebenhöhlen sowie Mittelohrentzündungen. Patienten beklagen sich häufig, dass sie Düfte nicht mehr richtig wahrnehmen können und öfter unter Kopfschmerzen leiden.

Diagnose

Grosse Polypen kann der Arzt bereits beim genaueren Blick in die Nase mit blossem Auge sehen. Die Polypen erscheinen als glasig glänzende Gebilde.
Kleine Polypen sind mit Hilfe einer Nasenspiegelung, in der Fachsprache Rhinoskopie genannt, zu erkennen.
Hierbei wird mit einem Nasenspreizer oder mit Hilfe eines Nasenendoskops, einem starren oder flexiblen Röhrchen mit eingebauter Lichtquelle und Kamera, das Naseninnere und die Beschaffenheit der Schleimhaut beurteilt.

Um zu wissen, wie viele Polypen es gibt und wie gross sie schon sind, werden eine Röntgenaufnahme oder eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen gemacht. Dabei kann man ihre Ausdehnung deutlich erkennen.

Therapie

Sind die Polypen noch klein, können sie zunächst mit einem Nasenspray behandelt werden, der Kortison enthält. Das Kortison hemmt das Polypenwachstum und drängt ihn zurück. Leiden die Patienten gleichzeitig an einer Entzündung der zugehörigen Nasennebenhöhle, wird ihnen ein Antibiotikum verordnet. Unterstützend wirken hier auch schleimlösende und abschwellende Medikamente sowie Kopfdampfbäder.

Fällt die Atmung durch die Nase sehr schwer aufgrund der Polypengrösse oder bereiten diese immer wieder Beschwerden, sollten sie in einer Operation entfernt werden. Einzelne Polypen lassen sich gut mittels einer so genannten Polypenschlinge oder mit Laser unter örtlicher Betäubung entfernen, so dass kein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig wird.
Bei besonders starkem Polypenwachstum mit Beteiligung der Nasennebenhöhlen ist eine Operation derselben nötig. In der Regel erfolgt der Eingriff unter Vollnarkose durch die Nasenlöcher. Bei der Operation werden die Polypen und Anteile der Nasenschleimhaut entfernt.
Nach der Operation sollte eine intensive Nachbehandlung durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt erfolgen. Die Nase benötigt jetzt besondere Pflege und sollte zusätzlich noch mit einem kortisonhaltigen Nasenspray versorgt werden. Dieses kann die erneute Bildung eines Polypen unterbinden.

Komplikationen

Durch die zunehmende Mundatmung wird die Luft nicht in der Nase gefiltert und es kommt häufiger zu Entzündungen der unteren Atemwege, wie zum Beispiel einer Rachenentzündung, auch Pharyngitis genannt, oder einer Bronchitis. Ein Polyp kann aufgrund seiner Grösse die Verbindung zwischen Nase und Nasennebenhöhle verstopfen. Die Nasennebenhöhle wird dann nicht mehr ausreichend belüftet und kann sich entzünden, eine Krankheit, die in der Fachsprache Sinusitis genannt wird. Auch das Mittelohr wird über eine Öffnung im Rachen belüftet. Dafür ist eine unbehinderte Nasenatmung notwendig. Bei Belüftungsstörungen der Ohren können Hörprobleme aber auch Mittelohrenentzündungen entstehen. Bei einigen Patienten können sich nach der Operation erneut Polypen ausbilden.


Zuletzt geändert: 26.09.2006 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: Jutta Manke, Ärztin
Editor/in: Urspeter Knecht, Dr. med., Arzt
ICD-10: J33
Keywords: Nasenpolypen, Polypen der Nase

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