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Akute Kehlkopfentzündung

Synonyme: Akute Laryngitis

Allgemeines

Unter einer akuten Laryngitis versteht man eine akut auftretende Entzündung des Kehlkopfes. Oft tritt sie in Kombination mit einer akuten Rachenentzündung - in der Fachsprache als akute Pharyngitis bezeichnet - auf. Da sich der Kehlkopf auch in unmittelbarer Nähe der Luftröhre befindet, ist diese manchmal ebenfalls entzündet. Eine Entzündung der Luftröhre wird Tracheitis genannt.

Eine akute Laryngitis wird meist durch Viren, seltener durch Bakterien verursacht. Sie tritt deshalb häufig im Zusammenhang mit Erkrankungen der oberen Luftwege - also des Nasen- und Rachenraums - im Rahmen einer Erkältungskrankheit auf. Besonders häufig wird die akute Laryngitis in den kalten Jahreszeiten sowie bei Allergikern beobachtet. Durch die Entzündung schwillt die den Kehlkopf von innen auskleidende Schleimhaut an, wobei insbesondere die Stimmbänder, manchmal aber auch der Kehldeckel betroffen sind.
Durch Husten und Niesen, aber auch durch Sprechen und Küssen können die Krankheitserreger auf andere Menschen übertragen und diese angesteckt werden. Diese Übertragungsweise nennt man "Tröpfcheninfektion". Die Ansteckung wird zudem durch schleimhautreizende Stoffe wie Zigarettenrauch, durch eine Überbeanspruchung der Stimme sowie durch übermässigen Alkoholkonsum begünstigt.

Wissenswertes über den Kehlkopf und die Stimmbänder

Bild: Kopf und Hals mit Kehlkopf
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Der Kehlkopf trennt die Atemwege von den Speisewegen. Er setzt sich aus insgesamt vier Knorpelteilen zusammen, die durch Muskeln und Bändern zusammengehalten werden. Ein Knorpelstück ist der so genannte "Adamsapfel", der sich besonders bei Männern von aussen gut ertasten lässt. An bestimmten Knorpelanteilen sind die Stimmbänder befestigt, die durch Luftströme in Schwingung geraten und auf diese Weise die Stimmbildung möglich machen. Der Kehldeckel - auch Epiglottis genannt - verschliesst den Eingang zum Kehlkopf beim Schlucken, damit die Speisen nicht in die Luftwege gelangen, sondern in die angrenzende Speiseröhre.

Bild: Stimmbänder
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Die Stimmlippen, welche neben den Stimmbändern auch die für die Beweglichkeit der Stimmbänder verantwortlichen Stimm-Muskeln enthalten, befinden sich am oberen Ende der Luftröhre im Kehlkopf. Beim Ausatmen bringt die Luft die Stimmbänder zum schwingen, wodurch auch die Luft im Brustkorb, im Kehlkopf, im Mund sowie in der Nase zum Schwingen gebracht wird. Dadurch entstehen Schallwellen, die als Töne - also als Stimme hörbar werden.
Abhängig von der Stellung und Spannung der Stimmbänder werden unterschiedliche Töne, also hohe oder tiefe Töne, erzeugt. Sind die Stimmbänder locker und entspannt, entsteht ein tiefer Ton. Wenn sie aber fest und angespannt sind, entsteht ein hoher Ton. Da die Stimmbänder eines Erwachsenen länger und insgesamt grösser sind als die der Kinder, klingt die Stimme von Erwachsenen tiefer als eine Kinderstimme.
Stimmbänder alleine können nur Töne erzeugen. Für die Sprache, das heisst für die Bildung von Wörtern und Sätzen sind zusätzlich die Zunge und die Lippen unbedingt notwendig.

Das Innere des Kehlkopfes ist mit Ausnahme der beiden Stimmlippen und der Oberfläche des Kehldeckels mit der typischen Schleimhaut der Luftwege, dem so genannten Flimmerepithel, ausgekleidet. Die Zellen haben auf ihrer Oberfläche so genannte Flimmerhärchen, die zum Beispiel Staubpartikel in Richtung Mund und Nase befördern. Die Stimmlippen und die Oberfläche des Kehldeckels jedoch sind mit einer Schleimhaut überzogen, die sich auch in der Mundhöhle findet.

Symptome

Aufgrund der Schleimhautschwellung und der zusätzlichen Produktion von zähem Schleim in den Luftwegen kann die Atemluft nur mit Mühe durch die zu geschwollene Stimmritze in die Lunge gelangen. Deshalb leiden die Betroffenen häufig unter einer erschwerten Atmung, einem bellenden Husten sowie unter einem Kratzen und Trockenheitsgefühl im Hals, der zum andauernden Räuspern führt. Ebenfalls häufig treten starke Halsschmerzen auf, die das Schlucken behindern. Diese schmerzhafte Schluckbehinderung tritt fast immer plötzlich auf und kann so stark ausgeprägt sein, dass die Nahrungsaufnahme stark behindert wird oder sogar kaum mehr möglich ist. Daneben fällt eine raue heisere Stimme auf, die auch mal ganz versagen kann. Das Sprechen bereitet den Betroffenen zudem oft Schmerzen.
Ein deutliches Krankheitsgefühl mit Fieber begleitet in der Regel die eben beschriebenen Symptome.
Je nach Schweregrad der Entzündung können die Beschwerden aber individuell variieren.
Ganz allgemein sollte jede Heiserkeit, die länger als zwei Wochen anhält, durch einen Facharzt abgeklärt werden, da sich dahinter auch eine bösartige Krebserkrankung verbergen kann.

Diagnose

Der Arzt spricht mit den Betroffenen über ihre Beschwerden und schaut sich den Rachenraum genauer an. Dazu benutzt er einen Holzspatel, mit dem er die Zunge hinunter drückt, um Rachen- und Kehlkopfraum gut einsehen zu können. Meist reicht diese Untersuchung bei einer einfachen Kehlkopfentzündung schon aus, da die Beschwerden für diese Erkrankung sehr typisch sind.
Bei der äusserlichen Untersuchung fallen ein druckempfindlicher Hals mit eventuell leicht geröteter Haut sowie schmerzhaft vergrösserte Lymphknoten auf. 

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Im Zweifelsfall oder wenn die Heiserkeit schon über einen sehr langen Zeitraum besteht, ist es notwendig, sich den Kehlkopf mittels einer Kehlkopfspiegelung, auch Laryngokopie genannt, genau zu betrachten. Dabei untersucht der Arzt mit einem Stirnreflektor, der das Licht der Untersuchungslampe auf einen löffelförmigen Spiegel lenkt und verstärkt, den Kehlkopf der betroffenen Person.

Diese Untersuchung mit dem Spiegel wird als indirekte Kehlkopfspiegelung bezeichnet, da man nur ein Spiegelbild und kein direktes Bild vom Kehlkopf erhält. Um ein direktes Bild zu erhalten wird eine flexible Röhre mit eingebauter Lichtquelle und Kamera - auch Endoskop genannt - unter Narkose bis zum Kehlkopf vorgeschoben. Dieses Kehlkopfbild wird dann noch mit einem Mikroskop vergrössert. Gleichzeitig können bei dieser Untersuchung Gewebeproben entnommen werden, falls der Verdacht auf eine bösartige Erkrankung besteht oder Zweifel bei der Diagnose vorliegen. Die Schleimhaut des Rachens und des Kehlkopfes zeigt sich bei einer Entzündung gerötet und geschwollen. Die Stimmritze erscheint dadurch verengt. Auch der Kehldeckel kann geschwollen und gerötet sein. Eine Entzündung des Kehldeckels wird als Epiglottitis bezeichnet. Bei Verdacht auf eine Entzündung mit Bakterien wird etwas Sekret aus dem Hustenauswurf im Labor untersucht. Das Ziel dieser Untersuchung ist die genaue Bestimmung des Krankheitserregers, damit eine auf den Erreger abgestimmte Therapie eingeleitet werden kann.

Therapie

Eine durch Viren verursachte Kehlkopfentzündung klingt in der Regel innerhalb von einigen Tagen ohne spezielle Therapie von selbst wieder ab. Die Betroffenen sollten in dieser Zeit ihre Stimme schonen und das Rauchen einstellen. Wird die Stimme während der akuten Krankheitsphase nicht ausreichend geschont, kann durch die Überbeanspruchung eine Stimmbandschwäche mit andauernder Heiserkeit resultieren. Ebenso ist ein chronischer Verlauf möglich, wenn die betroffene Person im akuten Stadium weiterraucht oder währenddessen ständig Schleimhaut reizenden Stoffen ausgesetzt ist. Es kann so zu einer chronischen Laryngitis kommen.

Lindernd wirken warme - nicht heisse! - Getränke, wie zum Beispiel Tee mit Honig, oder warme Halsumschläge. Ebenfalls als angenehm empfunden werden Dampfinhalationen mit Kamille und das Lutschen von Pastillen, die den Speichelfluss anregen. Desinfizierende Mundsprays oder Lösungen zum Gurgeln können helfen, sie sollten allerdings nicht andauernd eingenommen werden, da sie die obere Schleimhautschicht auf Dauer schädigen. Bei Schmerzen und Schluckbeschwerden helfen Lutschtabletten oder Sprays mit oberflächlichen Betäubungsmitteln.

Neben diesen allgemeinen Massnahmen können bei Bedarf auch schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden.
Wenn die Schwellung der Kehlkopfschleimhaut Ausmasse annimmt, die eine ausreichende Atmung verhindern könnte, können Kortisonpräparate eingesetzt werden. Die entzündliche Schwellung nimmt dann relativ schnell ab, was die Atmung erleichtert. Stellt sich damit keine Besserung ein, ist es in seltenen Fällen notwendig, die betroffene Person künstlich zu beatmen.

Wie bereits oben beschrieben wird die akute Laryngitis nur in wenigen Fällen durch Bakterien verursacht. Hier ist die Einnahme eines geeigneten Antibiotikums jedoch notwendig.

Wenn man selbst etwas tun möchte, um in der kalten Jahreszeit einer Kehlkopfentzündung vorzubeugen, sollte man viel trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten. Die Kleidung sollte so ausgewählt werden, dass sie besonders den Hals und die Brust wärmt, ohne dass sie zu warm ist und man ins Schwitzen gerät. Ausserdem ist es immer sinnvoll, sein körpereigenes Abwehrsystem zu stärken, um Krankheiten vorzubeugen. Regelmässige Bewegung an der frischen Luft, Sport und eine ausgewogene Ernährung tragen schon viel dazu bei.

Besonderheiten bei Kindern

Gefährlich ist eine Kehlkopfentzündung bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis zu drei Jahren. In diesem Alter ist der Kehlkopf noch sehr klein und Schwellungen in diesem Bereich führen schnell zu Atemnot. Man nennt diese Erkrankung bei Kindern Pseudokrupp oder falscher Krupp. Ein Auftreten eines Pseudokrupps ist durchaus auch noch bis zum sechsten Lebensjahr möglich, wobei Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen. Ursächlich sind hier zumeist eine Entzündung mit Viren oder eine allergische Reaktion. Häufig ereignen sich Pseudokrupp-Anfälle während der Nacht in kalten Jahreszeiten. Die Kinder erwachen plötzlich mit bellendem Husten und verspüren zunehmende Atemnot, besonders beim Einatmen. Das Sprechen fällt ihnen auffallend schwer und die Stimme klingt heiser. Hier gilt es unbedingt, das Kind zunächst zu beruhigen und schnell einen Arzt aufzusuchen. Feuchte kalte Luft wirkt lindernd. Passiert ein Anfall in der Nacht, empfiehlt es sich deshalb, ruhig mit dem Kind ins Badezimmer zu gehen, dabei das Fenster öffnen und den Wasserhahn laufen lassen. So erhält man eine feuchte, kalte Raumluft.
Zum Abschwellen der Schleimhäute haben sich Kortisonpräparate bewährt, die im akuten Anfall meist in Zäpfchenform durch einen Arzt verabreicht werden können. Ein Pseudokrupp-Anfall ist in den meisten Fällen nur ein einmaliges Ereignis. Am nächsten Tag beziehungsweise in der nächsten Nacht sollte man das Kind jedoch noch im Auge behalten und für den Fall eines erneuten Auftretens ein Kortisonzäpfchen zur Hand haben.


Zuletzt geändert: 26.09.2006 Druckversion Zum Seitenanfang
 
Autor/in: Jutta Manke, Ärztin
Editor/in: Urspeter Knecht, Dr. med., Arzt
ICD-10: J04
Keywords: Akute Laryngitis, Akute Kehlkopfentzündung, Kehlkopfentzündung, Laryngitis, Akute Pharyngitis, Tracheitis, Luftröhrenentzündung, Erkältung, Pharyngitis, Rachenentzündung, Pseudokrupp, falscher Krupp

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